Die Geheimnisse der piemontesischen Plin-Ravioli
Die Plin-Ravioli sind ein Symbol der piemontesischen Küche.
Ich setze meine virtuelle Reise durch die Aromen des Cammino di Oropa fort. Ich bin in Carisio gestartet, in der Ebene, einem klassischen Startpunkt. Anfangs sieht man noch Reisfelder, typisch für diese tieferen Regionen. Und in der Ferne tauchen schon die Berge auf. Von dort ändert sich der Weg Schritt für Schritt.
Es ist ein Netz von Wegen -- von der Serra über das Canavese bis ins Aostatal. Sie beginnen in Carisio und in diesen Ebenen. Schritt für Schritt führen sie dich zu den Bergen. Der Rhythmus und die Landschaft ändern sich. Am Anfang ist alles offener: Vor dir liegen Felder und weite Horizonte. In der Ferne sind die Berge, fast wie ein ständiger Bezugspunkt. Dann kommen die Wälder, die Anstiege werden häufiger und auch dein Tagesrhythmus ändert sich.
Nach dem Reis in cagnone, den Torcetti al burro, dem Ratafià, den Canestrelli, der Bagna Cauda, der Toma, dem Maccagno, bleibe ich diesmal bei etwas noch Typischerem und weniger Bekanntem: den Ravioli del Plin.
Sie sind klein, viel kleiner als die gewohnten Ravioli. Der Name "Plin" kommt vom Verschließen: ein schneller Fingerkniff. Dieses Detail zeigt die Küche dieser Region gut. Sie ist geprägt von schnellen und konkreten Handgriffen. Ein bisschen wie die piemontesische Gesellschaft.
Die Füllung variiert, oft ein Mix aus Bratenresten. Kalb, Schwein, manchmal Kaninchen, dazu Gemüse und etwas Käse. Es ist keine Null-Abfall-Küche aus Mode, sondern aus Notwendigkeit. Man nutzte, was da war, und machte etwas Gutes daraus. Die Ravioli del Plin entstanden in diesem bäuerlichen Kontext. Zwischen Langhe und Monferrato nutzte man sie, um Reste zu verwerten. Besonders die vom Sonntag. Mit der Zeit wurden sie ein Symbol der piemontesischen Tradition.
Was wirklich auffällt, ist die Art des Servierens. Manchmal einfach mit Butter und Salbei. Oder "al tovagliolo", also ohne Soße, nur mit dem Bratensaft. Anfangs wirkt das seltsam, aber nach langen Wanderungen macht es Sinn. Sie sind leicht, aber sehr geschmackvoll.
Ich habe sie auf dem Rückweg probiert. Auf dem Weg von Oropa hielten wir in Biella. Dort aßen wir sie bei L'Arrugginita. Ich nahm sie mit Maccagno-Fondue und Brokkoli. Eine sehr gute Kombination. Die Cremigkeit des Käses passt zur dünnen Pasta und dem Brokkoli. Preis: 12 Euro, typisch für die Gegend.
Und das ist der Sinn des Reisens: nicht nur Landschaften wechseln, sondern auch die Küche entdecken. Eine Stadt zu entdecken bedeutet auch, ihre Küche zu entdecken. Nicht nur ihre Denkmäler oder Landschaften.