Bari, das Herz Apuliens
Bari, die Hauptstadt Apuliens, ist eine Stadt voller Geschichte, Kultur und Leidenschaft für die Vespa.
Wer zum ersten Mal nach Bari kommt, tut das oft fast zufällig: ein Flug landet hier, ein Schiff legt im Hafen ab oder ein Zug durchquert die Region. Für viele Reisende ist es nur ein Zwischenstopp. Doch schon ein paar Stunden genügen, um zu erkennen, dass Bari mehr als nur eine Durchgangsstadt ist: Sie ist sehr lebendig.
Bei mir begann die Reise am Flughafen. Meine Frau und ich landeten in Bari mit einem klaren Plan: die Stadt als Basis nutzen, um die Region zu erkunden. Die Entscheidung, in Bari zu starten, war nicht zufällig: Die Stadt ist durch ihre Lage und Verbindungen ein idealer Ausgangspunkt. Wir wählten ein B&B in Poggiofranco, einem modernen Wohnviertel, das wir schon kannten und das praktisch für Stadtbesichtigungen ist.
Der Anlass unserer Reise war besonders. Wir hatten im Voraus eine Vespa gemietet, um am Giro dei Tre Mari teilzunehmen. Diese Veranstaltung findet jedes Jahr Ende Mai statt und zieht Rollerfans aus ganz Italien und dem Ausland an.
Ein Tor zu Apulien
Bari liegt zentral an der adriatischen Küste Apuliens. Dadurch ist es ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt Süditaliens.
Der Flughafen Karol Wojtyła verbindet die Stadt mit vielen Zielen in Italien und Europa. In den letzten Jahren wurde er immer beliebter bei Besuchern der Region. Nicht weit vom Zentrum entfernt liegt der Hafen, von dem Fähren nach Griechenland, Albanien und Kroatien ablegen.
Hinzu kommt der Hauptbahnhof, der viele Städte in Apulien leicht erreichbar macht. In weniger als einer Stunde erreicht man ganz unterschiedliche Orte: Polignano a Mare, Monopoli, Trani oder andere Küstenziele.
Deshalb wählen viele Reisende Bari als logistische Basis. Man kann hier übernachten und tagsüber andere Orte der Region besuchen.
Ein praktischer Tipp betrifft die Wahl der Unterkunft. Ohne Auto ist es bequemer, im Zentrum oder in der Nähe des Bahnhofs zu übernachten. So kann man sich leicht zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen. Mit dem Auto ist es oft besser, Wohnviertel wie Poggiofranco zu wählen. Dort findet man leichter einen Parkplatz als in der Altstadt.
Bari Vecchia und das Leben in den Gassen
Der charakteristischste Teil der Stadt ist das historische Zentrum, einfach Bari Vecchia genannt.
Hier verwandeln sich die Straßen in ein Netz aus engen Gassen, steinernen Bögen und kleinen Plätzen. Es ist kein für den Tourismus gebautes Zentrum: Hier fließt das tägliche Leben normal weiter.
Beim Spaziergang durch die Gassen trifft man auf Szenen, die fast zum Symbol der Stadt geworden sind. Frauen sitzen vor ihren Haustüren und machen Orecchiette von Hand, Kinder spielen auf den Plätzen, und kleine Läden trotzen der Zeit.
Das wichtigste Denkmal ist die Basilika San Nicola, ein Hauptbeispiel romanischer Architektur in Apulien. Die Kirche beherbergt die Reliquien des heiligen Nikolaus, der sowohl in der katholischen als auch in der orthodoxen Tradition verehrt wird, und zieht daher Gläubige aus vielen Ländern an.
In der Nähe befindet sich auch die Kathedrale San Sabino, ein weiteres romanisches Gebäude, das zu den eindrucksvollsten Punkten der Altstadt gehört.
Die monumentale Uferpromenade
Eines der beeindruckendsten Elemente der Stadt ist ihre Uferpromenade. Der Lungomare Nazario Sauro gilt oft als eine der längsten und eindrucksvollsten Promenaden Italiens.
Der Spaziergang am Meer führt an einer langen Reihe von Gebäuden vorbei, die zwischen 19. und 20. Jahrhundert erbaut wurden. An klaren Tagen zeigt das Meer intensive Farben, und das Licht hebt den Kontrast zwischen den hellen Steinen der Gebäude und dem Wasser der Adria hervor.
Besonders bei Sonnenuntergang ist es ein beliebter Ort. Zu dieser Zeit ändert sich der Rhythmus der Stadt: Viele Menschen gehen einfach entlang der Küste spazieren, andere sitzen auf Bänken und schauen aufs Meer.
Um Bari in Ruhe zu besuchen, lohnt es sich, mindestens zwei Tage einzuplanen. Der erste Tag kann dem historischen Zentrum und einem Spaziergang entlang der Küste gewidmet werden. Der zweite Tag eignet sich gut für einen Morgen am Strand und einen Abend in den Lokalen der Stadt.
Eine echte Stadt
Im Gegensatz zu einigen touristischen Zielen in Apulien ist Bari keine Stadt, die um den Tourismus herum gebaut wurde. Es ist in erster Linie eine bewohnte Stadt.
Das merkt man leicht, wenn man sich vom historischen Zentrum entfernt. In den moderneren Vierteln gibt es Bars, die von Studenten besucht werden, traditionelle Geschäfte und Märkte, wo das Leben in einem sehr lokalen Rhythmus fließt.
Auch Viertel wie Poggiofranco, wo wir übernachtet haben, zeigen diese Seite der Stadt: ein modernes Bari mit Büros, modernen Gebäuden und alltäglichen Aktivitäten. Für viele Besucher wird diese authentischere Dimension zu einer der interessantesten Überraschungen.
Die Geschmäcker der Küche von Bari
Bari zu besuchen bedeutet auch, einige der repräsentativsten Gerichte der apulischen Küche zu entdecken.
Das bekannteste Gericht sind sicherlich die Orecchiette mit Rübenspitzen, eine frische Pasta, die zu einem der gastronomischen Symbole der Region geworden ist. Ein weiteres Gericht, das stark mit der Stadt verbunden ist, sind die Spaghetti all'assassina, die mit einer speziellen Technik zubereitet werden, die die Pasta leicht knusprig macht.
Man kann Bari nicht verlassen, ohne die Focaccia Barese probiert zu haben. In den traditionellen Bäckereien der Stadt findet man sie oft frisch aus dem Ofen, mit Tomaten und Oliven auf einem weichen, aber knusprigen Teig. Wir konnten nicht widerstehen, zum berühmten Panificio Fiore zu gehen.
Der Giro dei Tre Mari
Der Giro dei Tre Mari ist eine Veranstaltung mit einer besonderen Geschichte. Im Jahr 2004 beschloss der Vespa Club Bari, zusammen mit dem Vespa Club Lecce, eine alte Route in Form einer historischen Wiederbelebung wiederzubeleben, wobei der ursprüngliche Geist erhalten blieb.
Die Idee ist einfach: den Teilnehmern eine lange Fahrt auf einer Vespa oder Lambretta durch verschiedene Gebiete Apuliens zu bieten. Es handelt sich nicht um ein Rennen, sondern um eine Reise auf zwei Rädern, die es ermöglicht, das Gebiet, seine Panoramastraßen, die lokale Küche und einige Traditionen der Region zu entdecken.
Im Laufe der Jahre ist die Veranstaltung stark gewachsen. Neben den historischen Vespas und Lambrettas nehmen heute auch neuere Modelle teil, wie Vespa GTS und GTV, gefahren von Enthusiasten aus ganz Italien und auch aus dem Ausland.
Die neunzehnte Ausgabe, die 2025 stattfand, bestätigte den Erfolg der Initiative mit über 160 teilnehmenden Teams. Die Anmeldungen, die begrenzt sind, sind oft schnell ausgebucht, was zeigt, wie sehr die Veranstaltung zu einem der beliebtesten Termine in der Rollerszene geworden ist.
Eine perfekte Basis, um die Küste zu erkunden
Ein weiterer Grund, warum Bari als das Herz Apuliens betrachtet werden kann, ist die Leichtigkeit, mit der man von hier aus viele andere interessante Ziele erreichen kann.
Polignano a Mare ist weniger als eine halbe Stunde mit dem Zug entfernt, Monopoli etwas mehr. Richtung Norden erreicht man leicht Trani, mit seiner Kathedrale am Meer.
Diese kurzen Entfernungen ermöglichen es, Tagesausflüge zu organisieren und abends nach Bari zurückzukehren.
In unserem Fall war die Stadt auch der Ausgangspunkt für den Giro dei Tre Mari auf der Vespa, der es uns ermöglichte, verschiedene Gebiete der Region zusammen mit anderen Reisenden zu durchqueren. Eine andere Art, Apulien zu entdecken, beginnend genau dort, wo es in Bezug auf Lage und Atmosphäre wirklich als sein natürliches Zentrum betrachtet werden kann.